Metalldiebe lösten wohl den Hauseinsturz aus

Symbolbild
Görlitz. Am 18. Mai war in der James-von-Moltke-Straße in Görlitz ein Mehrfamilienhaus eingestürzt, drei Menschen kamen ums Leben. Gerüchte um ein viertes Todesopfer infolge eines vermeintlich vorgefundenen positiven Schwangerschaftstestes beantwortete die Polizeidirektion gegenüber dem Niederschlesischen Kurier am Montag. „Seitens der Rechtsmedizin wird eine Schwangerschaft bei keiner Person bestätigt!“, hieß es.
Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zur Ursache des Einsturz würden jedoch andauern. Zwischenzeitlich sind zwei Tatverdächtige festgenommen worden. Bei diesen handelt es sich um einen 27-jährigen polnischen sowie einen 33-jährigen afghanischen Staatsangehörigen, die in der Innenstadt und angrenzenden Straßen unterwegs gewesen und in mehrere Gebäude eingedrungen seien. Dabei sollen sie auch das später eingestürzte Haus betreten haben. Der junge Pole Bartosz K. trug ein Basecap mit dem gelb-schwarzen Wappen der Holtendorfer SV und hat eine leicht sichtbare Tätowierung unter dem rechtem Auge, der Afghane Zolmai K. war ebenso mit einem Basecap unterwegs – mit schwarzem Panther-Kopf-Logo mit gelben Augen in rotem Hintergrund.
Zolmai K. wurde am 21. Mai, Bartosz K. am 29. Mai festgenommen. Beide befinden sich aufgrund von Eigentumsdelikten in Untersuchungshaft. Die Haftbefehle wurden unter anderem erlassen, da kein fester Wohnsitz festgestellt werden konnte, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion. Auslöser der Ermittlungen war eine Mitteilung der polnischen Polizei vom 20. Mai.
Gegen beide in Untersuchungshaft Sitzende werde wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Explosion mit Todesfolge sowie fahrlässiger Tötung ermittelt, wobei dies auf eine mittelbare Auslösung der Gasexplosion durch Manipulation an den Leitungen abzielt – sprich Metalldiebstahl als Ursache für Gasaustritt. Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Zentrale Fragen sind:
- Wer hat die Nebenstehenden – wohl mit genannten Basecaps – am Montag, dem 18. Mai zwischen 13.00 und 18.00 Uhr in der oder im Umfeld der Innenstadt-Ost bzw. darüber hinaus auch noch westlich davon in der Innenstadt oder besonders gar in Tatortnähe gesehen?
- Wer hatte zwischen dem 18. und 29. Mai Kontakte, ob persönlich, telefonisch oder per Messenger zu ihnen und worum ging es dabei?
- Wer hat am 18. Mai zwischen 13.00 und 20.00 Uhr Videoaufnahmen an der James-von-Moltke-Straße und/oder der Emmerichstraße in Görlitz – insbesondere nahe des Einsturzobjektes – angefertigt?
- Wer betreibt im weiträumigen Umfeld Videoanlagen und kann Aufnahmen vom 18. Mai zur Verfügung stellen?
- Wer hatte am 18. Mai zwischen 13.00 und 20.00 Uhr an James-von-Moltke-, Emmerich- und Konsulstraße Fahrzeuge mit Dash-Cams geparkt und kann deren Aufnahmen liefern? Und wer ist am 18. Mai grenzüberschreitend unterwegs gewesen und kann Dash-Cam-Aufnahmen zur Verfügung stellen?
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Görlitz unter der Telefonnummer (03581) 468 50 00 sowie über das Hinweisportal sn.hinweisportal.de entgegen. Für sachdienliche Hinweise ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgelobt.
In einer polizeilichen Pressemitteilung zur Wochenwende hieß es bezogen auf einen anderen Standort in Görlitz und einen denkbaren Tatzeitraum vom 9. Dezember bis 7. Juni: „Kupferdiebe haben in den vergangenen Monaten ihr Unwesen in Görlitz getrieben. Die Unbekannten drangen in ein leerstehendes Mehrfamilienhaus ein und entwendeten im Mauerwerk verbaute Kupferrohre im Wert von etwa 10.000 Euro. An der Gebäudesubstanz entstand Schaden von mehreren zehntausend Euro.“ Hierzu bat die Redaktion die Polizei um Auskunft, ob hier ein Zusammenhang zu Tätern in der James-von-Moltke-Straße bestehe oder gar Hinweise auf einen größeren Kreis zusammenarbeitender Täter vorlägen. Hierzu hieß es am Dienstag aus der Polizeidirektion: „Ein Zusammenhang herzustellen, ist ohne die Auswertung der gesicherten Spuren schier unmöglich. Da es sich um ein leerstehendes Gebäude handelt, ist die Tatzeitraum bislang nicht weiter eingrenzbar. Auch kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht zweifelsfrei gesagt werden, ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt.“ Die Ermittlungen hierzu dauerten ebenso an.
Unterdessen ist der Ablauf der Ermittlungen zum Hauseinsturz und die Informationspolitik darüber bereits zum Politikum geworden. Hintergrund für Kritik von AfD und Bild-Zeitung ist der Umstand, dass die Festnahmen vom 21. und 29. vor dem zweiten OB-Wahlgang am 31. Mai erfolgten und trotz konkreter Hinweise nicht vor der Wahl über die vermeintliche Täterschaft zweier Ausländer informiert wurde. Dies erfolgte erst am 7. Juni. Der Vorwurf eines taktischen Nachteils für die Wahl schwingt hierbei mit.

