Eleni setzt Zeichen gegen Parteienarroganz sowie für Platon und Musk

Helena Triada Müller brachte am Dienstag mit ihrem Mann Heinz Müller die Unterlagen zum Rathaus. Foto: Till Scholtz-Knobloch
Görlitz. „Ich werde den Ärztemangel bekämpfen, damit wir nicht mehr nach Bautzen, Dresden oder Berlin zum Arzt fahren müssen. Ich werde die Abwanderung stoppen und Bedingungen schaffen, die sogar Rückkehrer anziehen. Ich werde alles tun, um Alters- und Kinderarmut zu beseitigen – das Problem der abgehängten Familien. Für all diese Probleme hat sich bis heute kein Bürgermeister wirklich interessiert. Sonst hätten wir in den letzten zehn Jahren wenigstens kleine Verbesserungen gespürt. Stattdessen hat sich alles verschlechtert: Armut, Leerstand, zerfallende Ruinen, die Beziehungen zu Polen – nichts wurde besser“, heißt es in einem Papier von Helena Triada Müller, die zwei Tage vor Schließung der Kandidaturunterschriftenlisten zur Oberbürgermeisterwahl nichtparteigebundener Einzelkandidaten ihre Unterlagen am Dienstag gegen 14.00 Uhr im Rathaus bei Hauptamtsleiterin Kathrin Burkhardt abgab. Das heißt im Umkehrschluss: Am Mittwoch konnte – da geschlossen – eh kein Görlitzer mehr in der Jägerkaserne eine Unterschrift für sie leisten. Es wäre sensationell, sollte Müller bis Donnerstag, 5. März, 17.00 Uhr – und damit nach Redaktionsschluss – 160 Menschen mobilisiert haben, für sie eine Unterschrift zu leisten. Diese hohe Hürde haben sich die Gesetzgeber aus den Parteien selbst zurechtgelegt, um demokratisches Engagement außerhalb von Parteien möglichst auszubremsen.
Doch wieso dann dieser Aktionismus kurz vor Toreschluss? Vor einem Jahr war Helena Müller, die die meisten Görlitzer unter der Koseform ’Eleni’ und ihrem Geburtsnamen Ioannidu kennen, in die AfD eingetreten und kandidierte zuletzt auf eigenen Vorschlag gegen Sebastian Wippel bei der Nominierungssitzung zur OB-Wahl. „Ich habe es über eine Partei versucht und war super enttäuscht und bin wieder ausgetreten. Ich bin in eine Partei gegangen, weil ich an die Demokratie glaube. Für mich ist es selbstverständlich, dass jeder die Chance zum Kandidieren hat. Der Beste soll gewählt werden. Aber der Wunsch, etwas zu verändern bleibt in mir“, sagt sie enttäuscht, dass nur zwei Stimmen auf sie fielen. Neben vermutlich ihrer eigenen, konnte sie also nur ein AfD-Mitglied von sich überzeugen. Das betreffende Mitglied outete sich gegenüber der Redaktion und bekundete, ihm habe das Feuer von Eleni gefallen,mehr auf das polnische Hinterland der Stadt zu setzten, das die deutsche Politik entgegen allen Bekundungen stets vernachlässige.
Den eigentlichen Impuls, es nun im Alleingang zu versuchen gab es am 27. Februar in der La-Habana-Bar bei der Vorstellung des Einzelkandidaten Dr. Hagen Jeschke. Dort hatte sie nach Jeschkes Meinung zum KNDS-Engagement im alten Waggonbau gefragt und war konsterniert, dass Jeschke die Militärschmiede ganz pragmatisch im Sinne der Arbeitsplätze einordnete. Außerdem war Jeschke nicht der Ansicht des fragenden Dr. Ilias Papadoupolos, dass eine lokale Corona-Aufarbeitung oben anstünde.
Auf dem Gang zum Rathaus betonte Eleni Müller jedenfalls, dass sie immer wieder helfe, ältere Mitbürger zu Ärzten zu schaffen. Es bräuchten am Donnerstag ja nur alle die ihr helfen, die sie über ihr Gesundheitsnetzwerk erreiche. Ob das einen Tag vorher langt?
Die Redaktion hatte jedenfalls – hier im Hinblick auf die beiden Kandidaten Dr. Hagen Jeschke sowie den Unternehmer Stefan Menzel – bei der Stadt den Zwischenstand zur Anzahl von Unterstützungsunterschriften bis Mittwochvormittag erfragt. Annegret Oberndorfer antwortete als Büroleiterin Kommunikation im Oberbürgermeisterbüro: „Zwischenstände zu den Unterschriftenlisten werden nicht veröffentlicht, da die Gültigkeit aller eingegangenen Unterstützerunterschriften nach Ende der Frist am Donnerstag, 5. März (...) zunächst geprüft wird (...).
Die Redaktion hakte im Hinblick auf Auskunftspflichten an die Presse noch einmal nach: „Dass die Gültigkeit von Unterschriften erst nach Schließung der Liste geprüft wird ist ein logisches Vorgehen. Dass als reine Orientierung – der Leser bekäme ja keinen rechtsverbindlichen Zwischenstand – ein Überschlag nicht möglich sein soll, kann meines Erachtens nicht wirklich aus § 4 (2) 2 des Sächsischen Gesetzes über die Presse hergeleitet werden.“ Diese Argumentation führte jedoch nicht zum Einlenken, hätte aber auch nur für eine Onlinemitteilung über unserer Seite Alles-Lausitz.de Relevanz gehabt. Aus unbestätigter Quelle vernahm der Niederschlesische Kurier zumindest am Dienstag, dass Hagen Jeschke bereits einen Zwischenstand von 124 Stimmen gehabt haben soll. Das Szenario, mit 159 Unterschriften zu scheitern oder mit 160 die Hürde genommen zu haben, erschien zum Redaktionsschluss am Mittwoch gleichermaßen wahrscheinlich.
Eleni Müller berichtet: „Ich habe mein Studium der Agrarwissenschaft mit Auszeichnung abgeschlossen, hatte Stipendien vom griechischen Staat, Stipendien als Opernsängerin, zwei Studienabschlüsse, spreche sechs Sprachen. Und ich spüre, dass mein Wirken nicht gewürdigt wird.“ Der Kampf, aus rein privatem Engagement ihren Kulturverein Ars Augusta und den Augustasalon mit Leben zu füllen, finde abseits würdiger Wahrnehmung statt. Das ganze Wochenende, so die griechische und polnische Staatsangehörige, habe sie damit verbracht, für ihren ’3. Liedwettbewerb Bolko von Hochberg’ 180 Teilnehmer aus aller Welt zu dokumentieren. In mörderische Tempo listet sie auf: „40 Deutsche, 40 Polen, Engländer, Teilnehmer aus Amerika, Italen, Frankreich, Chile, Argentinien usw. – junge Leute zwische 20 und 40.“ ’Du kannst so schön Görlitz und Hirschberg präsentieren, so dass wir nun mit unseren Familien kommen’, habe sie von mehreren gehört. Immerhin hat sie für das Festival eine Interreg-Förderung erhalten. „Ich bringe Menschen zusammen“, sagt sie und berichtet über sich selbst: „Ich bin Schlesierin, denn ich bin in Breslau geboren. In Zglorzelec haben meine griechischen Großeltern gelebt. Ich bin damit auch ein Kind dieser Stadt, soviel Zeit, wie ich bei den Großeltern verbracht habe. Als Opernsängerin und Wissenschaftlerin habe ich die ganze Welt bereist, und vor zehn Jahren bin ich zurückgekehrt.“ Sie zitiert US-Außenminister Marco Rubio: „Europa muss sich an seiner Kultur orientieren.“ Sie sei Kulturmensch, kenne die europäische Kultur, „von Jesus, Griechenland, Platon, Sokrates, Schiller, Goethe. Ich will diese Kultur revitalisieren. Als OB würde ich als erstes nach Amerika reisen und Elon Musk holen, Donald Trump und all jene, die noch an Europa glauben. Und sie werden hier investieren – da bin ich mir sicher.“